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Jesus
wird dreimal vom Teufel versucht
Die
Luft lag in dicken Schlieren über dem Boden, und ihr Wabern ließ alle
Konturen verschwimmen. Satan rief A one, a two, one, two, three,
four, und siehe, da hob sich ein Amphitheater aus der Trübnis, das
bis zu den obersten Reihen dicht gefüllt war mit Menschen, die aufgeregt
lärmten. Jesus fragte den Satan: Warum toben die Heiden? Der
antwortete: Sie machen diesen Heidenlärm, weil sie auf die Botschaft
eines brandneuen Messias und seiner Gruppe warten, die sich da nennen
Die Hammerhaie. Da erschien der ganz in Silber gekleidete
Messias am Eingang, gefolgt von einigen Männern und zwölf Mädchen. Ein
Brausen ging durch die Menge, als ob ein Sturmwind das Land erschütterte.
Und schon droschen die Männer in ihre Instrumente, denen sie ein dumpfes
Gehämmer entlockten. Der Meister hatte eine Botschaft, die er sofort verkündete.
Sie wurde nicht gesprochen, sondern gesungen, und bestand aus drei Sätzen:
Ich liebe dich, kleines Kind. Liebe mich, kleines Kind.
Und Rüttel mich, kleines Kind. Dazu zupfte er eine Kithara.
Seine Mädchen aber waren allesamt schön von Angesicht
und Körper, und sie waren aus allen Völkern dieser Erde genommen. Vier
von ihnen standen zu seiner Rechten hinter ihm. Ihre Gewänder in den Farben
Rot, Grün, Blau und Gelb reichten bis zum Erdboden. Von Zeit zu Zeit sangen
sie Hua-Hua. Vier andere standen zu seiner Linken hinter ihm.
Sie waren in den gleichen Farben gekleidet, aber ihren über und über mit
bunten, geschliffenen Glasstücken benähten und bei jeder Bewegung glitzernden
Hüllen gelang es nur von Zeit zu Zeit, mit einiger Mühe die Gesäße völlig
zu bedecken, die da im Takte der Musik geschwungen wurden. Als das Volk
all dieses sah und hörte, ward es in den siebenten Himmel entrückt. Nun
gingen die übrigen vier Mädchen in die Menge. Sie waren eine jede bekleidet
mit einem Schuhriemen, den sie sich zwischen die Schenkel gezogen hatten
und der dort dergestalt verschwunden war, daß kaum einer seine Farbe Rot,
Grün, Blau und Gelb sehen konnte. An Bauch und Rücken wurde das überaus
schmale Gewand gehalten von einem um die Hüfte geschlungenen Faden. Die
vier ließen sich von allen Seiten Münzen zureichen. Davon kamen so viele
zusammen, daß fünf mal fünftausend Hungrige hätten gespeist werden können.
So aber schien es, als ob die Hungrigen den Meister speisten. Es
ist schon wahr. Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut, ließ sich
dazu Satan vernehmen. Jesus aber wandte sich den vier unsauberen Geistern
zu, die in den vier Geld sammelnden Mädchen wohnten, und rief: Fahrt
aus diesen Mädchen, ihr vier unsauberen Geister, und peinigt sie nicht
länger! Da riefen die vier Geister zurück: Uns scheint, der
Anblick dieser vier Mädchen peinigt eher dich. Und die Frage, warum das
so ist, dürfte für dich noch peinlicher sein. Betrachte sie dir genau
und prüfe, ob du auch nur einen Hauch von Schmutz an ihnen findest!
Jesus betrachtete die Mädchen sehr genau, und siehe, er fand keinen Schmutz
an ihnen.
Da
deutete der Teufel auf den Meister des Gesanges und sprach zu Jesus. Hier
seht ihr einen, zu dem viele Menschen hinströmen, weil er nicht nur ihre
Herzen bewegt. Das ist nicht einer, der die wenigen, die ihm noch zuhören,
mit seinen Worten vertreibt. Mit meiner Hilfe aber werdet ihr noch mehr
vermögen als dieser da. Denn ich werde eure Stimme so hochfahren, daß
sich alle, die sie hören, auf einer Himmelfahrt wähnen. Sie werden mit
eingedrückten Ohren nach Hause gehen und nie mehr den Gesang der Vögel
vernehmen. Und ich kann machen, daß man euch auf der ganzen Welt sieht.
Diejenigen der Mädchen, welche zu wenig anhaben, stecken wir in längere
Kleider. Alles andere bleibt so wie es ist. Ihr werdet stehen, wo jetzt
der Sänger steht, und ihr werdet der größte Prediger auf dem Erdkreis
sein. Zum Beweis schob Satan einen Regler nach oben. Da wurde der Sängers
sehr laut. Jesus aber hielt sich die Ohren zu. Was nützte es dem
Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, an seinen Ohren aber Schaden
leide? Da lachte der Teufel und brüllte Jesus ins Ohr: So
reden Leute, die noch nie irgend etwas gewonnen haben! Ich aber sage euch,
was ihr hier hört, ist der Rock, den wir in unserer Sprache den Felsen
nennen, und auf diesen Felsen werdet ihr eure Kirche bauen.
Jesus
aber antwortete: Ich will keine Kirche bauen, weder auf einem Felsen
noch auf Lehm. Und so habe ich dazu auch weder einen Petrus noch einen
Lehmann gebraucht. Meine Botschaft ist einfach und leicht zu verstehen.
Es ist die Liebe. Der Teufel erwiderte: Die Liebesbotschaft
dieses Sängers ist noch viel einfacher. Der Meister sang gerade:
Ich liebe dich, kleines Kind. - Liebe mich, kleines Kind. - Rüttel
mich, kleines Kind. Und vier der zwölf Mädchen sangen dazu Hua-Hua.
Und die vier anderen taten so, als ob sie das kleine Kind gerade in ihrem
Schoße empfingen. Und die dritten vier nahmen Geld dafür. Jesus aber sprach:
Ich will alle lieben. Der Teufel antwortete voll Hohn: Seid
ihr nicht ein wenig unersättlich, oh Herr? Nun gut. Ihr werdet nicht alle
lieben können, aber ihr solltet es wenigstens versuchen. Fangt doch schon
einmal an mit den zwölfen da. Jesus verwies ihn seiner Rede und
sagte: Ich will auch die Alten und die Kranken lieben. Der
Teufel aber rief: Ach du meine Güte, Ihr seid das bedauernswerte
Opfer eines schrecklichen Irrtums. Von den Alten und Kranken liebt so
ein Meister nur die Münzen und sonst gar nichts. Jesus hob die Hand
und wehrte ihm. Auf diese Weise werden wir nicht ins Geschäft kommen,
sagte da der Teufel. So bestand Jesus die erste Versuchung. Doch als diese
vorüber war, setzte er sich auf einen Stein und dachte darüber nach, ob
er seine Lehre allezeit in der rechten Weise verkündet hatte. Auch ihm
waren Jüngerinnen gefolgt. Hätten sie zu jeder Krankenheilung Hua-Hua
singen, zu jeder Predigt mit ihren Schößen wackeln und zu jeder Brotvermehrung
Geld einsammeln sollen? Jesus versuchte, sich davon in seinem Geiste ein
Bild zu machen. Schließlich verwarf er diesen Gedanken.
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