|
Jesus
predigt von einem Maulwurfshügel herab
Da
die Menschen Predigten, in denen jemand niedergemacht wird, lieber hören
als solche, die jemanden erhöhen, folgten wiederum einige dem Jesus, um
seine Worte zu hören. Es waren ihrer aber so viele, daß man sie an den
Fingern einer Hand abzählen konnte. Als Jesus der überschaubaren Menge
ansichtig wurde, sagte er: "Lasset uns auf einen Berg steigen und dem
Volke predigen." So erstieg er den Hügel, welchen ein Maulwurf aufgehäuft
hatte. Da sagte einer aus der Menge: "Du willst uns eine Predigt halten
vom Berge und ersteigst den Hügel eines Maulwurfs?" Jesus aber antwortete:
"Eine gute Predigt erkennt man daran, daß ihre Worte nicht von zu weit
oben kommen." Und er tat seinen Mund auf, lehrte das Volk und sprach.
"Selig sind, die da glauben, daß sie getröstet werden. Denn dieser Glaube
selbst ist der Trost.
Selig sind, die da glauben, daß der Trost des Glaubens
schon ein Beweis für seine Richtigkeit ist, denn ihrer ist der Glaube
an das Himmelreich.
Selig sind, die davon leben, daß sie anderen den Trost
des Glaubens predigen. Denn die haben auf Erden ausgesorgt.
Selig sind, die eine irdische Seligkeit gefunden haben,
denn die bedürfen nicht des Glaubens an ein Himmelreich.
Selig sind, die verstanden haben, daß irdische Seligkeiten
so schnell vergehen wie ein Windhauch.
Selig sind, die entschlafen sind. Denn die haben die
Suche nach dem Himmelreich hinter sich.
Ihr seid das Salz in der Suppe und nicht das Fettauge,
das immer nur auf allem, was die Menschen sich einbrocken, schwimmt. Das
Salz aber wird genommen, um damit die Suppe zu würzen. Versalzt nicht
den Leuten ihre Suppe, die auszulöffeln sowieso nicht leicht ist. Seid
auch Pfeffer und zwiebelt nur die, welche es nötig haben. Helft den Menschen
dabei, daß sie nichts anbrennen lassen, denn auch ihr Leben hat wie alles
auf dieser Welt sein Datum des Verfalls. Vergeßt nicht, daß der Schöpfer
nur mit Wasser kocht, auch wenn er mit dem großen Schöpflöffel immer wieder
einmal alles durcheinander rührt. Ihr aber seid es, die zusammen mit den
anderen Menschen der Suppe den Geschmack geben. Werft auch dann keine
Blasen, wenn ihr in Hitze geratet. Und schaut immer über den Tellerrand.
Denn draußen geht es ganz anders zu, als ihr zu der Zeit dachtet, da ihr
noch unter dem Deckel in eurem eigenen Saft geköchelt habt.
Ihr seid das Licht der Welt. Stellt es nicht unter den
Scheffel, sondern leuchtet damit in alle unerleuchteten Ecken dieser Welt.
Laßt nicht zu, daß die schwarzen Weiße-Kragen-Kriminellen mit Worten,
die dunkel bleiben wollen, das Licht in euren Köpfen ausblasen. Und mögen
eure Jungfrauen immer genug Öl in ihren Lampen haben.
Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: 'Wer eine Frau
ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in
seinem Herzen.' Ich aber sage euch: Wer das schon einen Ehebruch nennt,
der sorgt dafür, daß diese Ehe dann auch körperlich gebrochen wird. Denn
wenn meine Augen die Ehe schon gebrochen haben, dann werden meine übrigen
Glieder den Rest mit Freude erledigen. Und wenn jeder, dessen Auge die
Ehe gebrochen hat, sein Auge ausreißt, dann wird es in dieser Welt nur
noch Blinde geben, und das neue Ärgernis wird schlimmer sein als das alte.
Wenn ihr aber nicht das Auge, sondern den Geist, der das Auge lenkt, ausreißt,
dann könnt ihr immer noch Gottesgelehrte werden. Davon wird es dann mehr
geben als vordem. Und das wäre das schlimmste Ärgernis von allen.
Es ist gesagt worden: 'Wenn dir deine rechte Hand Ärgernis
schafft, so haue sie ab und wirf sie von dir!' Ich aber sage dir: Wenn
dir beide Hände Ärgernis schaffen, dann hast du ein Problem. Und ich sage
dir: Wenn der Fingernagel an deiner Hand zu lang geworden ist, dann schneide
ihn ab. Weiter solltest du nicht gehen!
Schaut die Lilien auf dem Felde. Nicht einmal König
Salomo in all seiner Herrlichkeit ist bekleidet gewesen wie auch nur eine
von ihnen. Ich aber sage euch: Mit dem, was ihr die Blüte nennt, empfängt
die Pflanze. Warum schneidet der Mann die Blume ab und übergibt davon
einen Strauß seiner Auserwählten? Was möchte er dagegen eintauschen? Er
hofft, daß sie ihm dafür ihre eigene Blüte schenkt. So haltet es denn
wie die Lilien im Felde, die mit ihrer Schönheit prunken. Denn was euch
an deren Anblick erfreut, kann an eurem eigenen Körper nichts Schlechtes
sein. Nehmt daher kein Ärgernis an dem, was dazu gemacht ist, euer Herz
und anderes zu erfreuen.
Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: 'Liebet eure Feinde.
Wenn dir jemand einen Streich gibt auf deine rechte Backe, dem biete auch
die andere dar.' Ich aber sage euch: Wer sagt, daß der Feind geliebt werden
muß, der wird Haß erzeugen. Denn wo ein Gebot nicht erfüllt werden kann,
wird es übertreten. Und der es übertritt, wird es mit Macht übertreten,
um darzutun, daß er nicht anders handeln konnte. Wahrlich, ich sage euch:
Es ist besser, ihr achtet in eurem Feind den Menschen, als daß ihr versucht,
ihn zu lieben. So dir jemand einen Streich gibt auf deine rechte Backe,
biete ihm nicht die beiden Backen deines Hinterns dar, sondern versuche,
den Streit in Würde zum beiderseitigen Vorteil zu schlichten. Wer solches
sagt, predigt freilich nicht Religion, sondern die Kraft des Verstandes.
Und es ist dem Menschen leichter, ein Gebot der Religion zu verehren,
ohne es zu befolgen, als einem Gebot des Verstandes zu folgen.
|