Unterhaltsames Um-die-Ecke-Denken
Schelmisch, frech und nonchalant

Karl Hoche ist kein Grobian, kein pietätloser Haudrauf und kein Verdreher, der nicht einmal vor der Heiligen Schrift haltmacht. Aber er ist ein Satiriker der kaum zählbaren Hintergründigkeiten und manchmal auch des höheren Blödsinns, wenn er den Blick aufs Eigentliche zu schärfen hilft. Wenn Jesus einen Essener trifft und ihn fragt, warum er unter der Last seiner Trage mit Tonkrügen ächzt, dann antwortet jener: "Weißt du denn nicht, daß ich ein Essener bin?" Worauf Jesus sagt: "Woher soll ich das denn wissen? So kommst Du also aus einem Orte, der da heißt Essen?", dann bleibt kein Auge trocken. Jesus hat eine Frau und weiß nicht alles; er erzählt den begriffsstutzigen Leuten bis zur puren Kenntlichkeit verfremdete oder durcheinandergewürfelte Gleichnisse; Jesus ist beeindruckbar; Jesus sieht eine Tafel mit der Aufschrift "Mars macht mobil!", wundert sich über solcherart Mobilmachung und erblickt darunter ein Weib, das Statuetten des Kriegsgottes Mars an römische Soldaten verhökert. "Das Evangelium nach Hoche" heißt das Werk, dessen Löwenanteil "Thomas-Evangelium" heißt, und Sie dürfen dreimal raten, warum.

Und dann gibt es noch Anhänge: "Die Geschichte der Apostelinnen von Avis", in der unter anderem 50 Jahre nach seinem Urteilsspruch über Jesus Pontius Pilatus an die Tür einer Priscilla klopft, dann zwei Briefe - einen dritten Korintherbrief und den eines Rabbi Saul an die Gemeinde zu Jerusalem - und schließlich "Die unheimliche Offenbarung des Aquila", in der anfangs die Stimme des "Herrn" donnernd nach dem "siebten Siegel" fragt und der Engel des Herrn antwortet: "Es ist kaputt. Wir haben es abmontiert und weggeschmissen" - Hochesche Inventionen mit vielen Fußangeln und Fallstricken wie im Thomas-Evangelium. Hoche hat kein Sakrileg ausgebrütet, hier und da hat er mit dem Absurden geflirtet, um Verbindliches bloßzulegen. Er hat verdreht und modernisiert, weitergeschrieben und transplantiert in ein Idiom, das zeigt, wie Kommunikation heute möglich wäre. Er hat eine Übersetzung zustande gebracht, in der das unterhaltsame, schelmische, freche, nonchalante Um-die-Ecke-Denken dorthin führt, wo es hingehört.
a-tz